Presse und Feedback zur Demo

3. PM zur Demonstration „Solidarität mit Israel! Deutschland das Existenzrecht entziehen!“ in FfM

Sehr geehrte VertreterInnen der Medien,

das Bündnis 16.06. und 16 weitere antifaschistische und kommunistische Gruppen aus dem Rhein-Main-Gebiet sowie Hamburg, Berlin und Stuttgart hatten für den gestrigen Freitag zu einer Demonstration unter dem Motto „Solidarität mit Israel! Deutschland das Existenzrecht entziehen!“ aufgerufen. 150 Menschen folgten diesem Aufruf und demonstrierten über 3 Stunden hinweg ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat und ihre Kritik an der bundesdeutschen Gesellschaft unter Sprechchören wie "Was wir wollen ist nicht viel - Solidarität mit Israel", "Antisemites go to hell - Solidarity with Israel" oder "Nieder mit Deutschland".

Marcus Engländer, Sprecher des Bündnisses, erläutert rückblickend das Anliegen der Demo, deren Anlass der geplante, zwischenzeitlich verbotene Nazi-Aufmarsch darstellte: „Antisemitismus ist weder ein Phänomen der Vergangenheit noch ein reines Randgruppenproblem. Die deutsche Nation, die das schrecklichste Verbrechen der Menschheitsgeschichte hervorgebracht hat, hat die Vergangenheit nie wirklich aufgearbeitet. Die ökonomischen Profite aus Zwangsarbeit und Vernichtung machten das sog. Wirtschaftswunder der 50er Jahre und damit die heutige Prosperität der BRD erst möglich. Heute rückt Israel, das einzige Land in dem sich Juden und Jüdinnen wirksam verteidigen können, immer mehr ins Zentrum des Judenhasses."

In den Redebeiträgen des AK Antifa Mainz, der Gruppe sinistra!, der FDJ und des Zusammenschlusses antideutscher Kommunistinnen Heidelberg wurde auf diese Kontinuitäten aufmerksam gemacht sowie die zahllosen Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Einzelpersonen erwähnt.
Während der Demonstration von holländischen, israelischen sowie einzelnen iranischen TouristInnen Sympathie entgegengebracht wurde und es zu spontanen Verbrüderungsszenen kam, schlug ihr von Seiten der meisten deutschen PassantInnen Ablehnung und offener Hass entgegen. Vor allem an der Hauptwache sammelte sich ein Mob, der die Demonstranten als "Wixer", "Penner" und "Vaterlandsverräter" beschimpfte und "Nieder mit den Juden" forderte.
Marcus Engländer kommentiert: "Die Beschimpfungen durch die Passanten und die am Rande der Demo ständig geäußerten Vergleiche von Israel und dem 3. Reich zeigen, wie tief verankert der Judenhass ist und wie leicht er abzurufen ist. Unsere Demonstration war zwar entschlossen und kraftvoll, doch an dem antisemitischen Alltag in der BRD kann sie leider nicht viel ändern."

Weitere Informationen finden Sie auf der Mobilisierungsseire http://www.israel-solidaritaet.tk

Presse:
Ha'aretz
Frankfurter Rundschau

Blogs/Diskussionen:
ADF-Forum
Kommunistisches Forum (1)
Kommunistisches Forum (2)
WM-D-Blog
Indymedia-Bericht + Fotos


In den nächsten Tagen werden die Redebeiträge online gestellt.

Aufruf zur Demonstration am 16.06. in Frankfurt/M

Solidarität mit Israel!
Deutschland das Existenzrecht entziehen!


Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnet den Holocaust als „Mythos“ und ruft zur Vernichtung Israels auf. Unterdessen planen Nazis anlässlich des WM-Spiels Iran – Portugal am 17. Juni einen Aufmarsch unter dem Motto „Präsident Ahmadinedschad – Zu Gast bei Freunden“. Wir wollen das unsägliche Treiben dieser antisemitischen Allianz stören und laden daher zu einer Demonstration gegen Antisemitismus jeglicher Provenienz und die deutschen Zustände ein.

Im Gefolge der Revolution von 1979 wurde der Iran zu einem autokratisch regierten Gottesstaat umgebaut, der repressiv gegen Frauen und dissidente Bevölkerungsteile vorgeht. Innerhalb der islamischen Welt beanspruchen die iranischen Mullahs seitdem eine Avantgarderolle bei der Verbreitung ihrer antisemitischen Ideologie und rufen zu einem globalen Krieg gegen Israel auf. Erst vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung des Iran sowie der wiederholten Holocaustleugnung seitens Mahmud Ahmadinedschads setzte nun in Europa eine Debatte über die Zustände im Iran ein. Obwohl noch unklar ist, ob Ahmadinedschad zur WM nach Deutschland reisen wird, verspricht Innenminister Schäuble, ihm ein „guter Gastgeber“ zu sein – so offenherzig werden Holocaustleugner selten begrüßt. Die präventive Gastfreundschaft ist nicht ohne die engen ökonomischen Verflechtungen beider Länder zu verstehen – Deutschland ist der größte Handelspartner des Iran. So stammt etwa der Fuhrpark der iranischen Sittenpolizei aus der BRD.

Bereits in den 1940er Jahren führten ideologische Überschneidungen zu praktischer Kooperation von NationalsozialistInnen und IslamistInnen. In dieser Tradition stehend fordern die Freien Nationalisten Rhein/Main in ihrem Demonstrationsaufruf die kollektive Fraternisierung mit dem iranischen Regime, jedoch nicht ohne gleichzeitig in rassistischer Manier gegen die „Masseneinwanderung und die Zersetzung des deutschen Volkes“ zu hetzen. Die IslamistInnen sind ihnen dann als strategische Partner willkommen, wenn sie sich zum völkischen Kollektiv im Kampf gegen eine von ihnen halluzinierte jüdische Weltverschwörung formieren. Dem antisemitischen Wahn entsprechend vermuten die Nazis diesen „Kulturfeind“ nicht nur in Israel, sondern als Strippenzieher hinter allen scheinbaren Übeln der Moderne, so auch in der „Stadt der Börse und der Banken, dem Jerusalem am Main“ – gemeint ist Frankfurt.

Hinter der durchsichtigen Fassade zivilgesellschaftlicher Empörung über den Radau-Antisemitismus der Nazis und IslamistInnen tut sich in Deutschland ein breit angelegter anti-semitischer Konsens auf. Laut der 2005 erschienen Heitmeyer-Studie ärgern sich 68% der Bevölkerung darüber, „dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden“ und ebenso viele befinden: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“. Die Deutschen, die sich spätestens seit 1989 als Aufarbeitungsweltmeister insze-nieren, sehen sich nun in der moralisch erhabenen Position, den jüdischen Staat als Täter von heute anzugreifen. Israel, das Jüdinnen und Juden auf politischem und militärischem Wege Sicherheit zu garantieren versucht, muss darum unsere volle Solidarität gelten. Anstatt wie die meisten Deutschen offen den Bestand Israels zu negieren oder paternalistisch ein Existenzrecht des jüdischen Staates einzuräumen, wenden wir uns gegen Deutschland, das Land der TäterInnen, dem wir angesichts seiner Verbrechen das Existenzrecht absprechen.


Demonstration:
Freitag 16. Juni 2006
18 Uhr Merianplatz (U4) FfM

Bündnis 16.06.
[AK Antifa Mainz, Bündnis gegen Antisemitismus Rhein/Main, Comité Liberté Gießen, FDJ Frankfurt, sinistra! Frankfurt, Zusammenschluss antideutscher Kommunistinnen Heidelberg]


Unterstützerinnen:
A2K2 [west. Ruhrgebiet], [aae] Marburg, Antifaschistischer Aufstand Köpenick (AAK) Berlin, Antifaschistische Gruppe Oranienburg [A.G.O.], Antifa Saar / Projekt AK, Antinationale Gruppe Bremen [ANG], CCP - Charlie Churchills Papagei, mila26 Erfurt, Negative Assoziation Hamburg, ZK der Proseccosozialisten Stuttgart
[wird fortlaufend aktualisiert]

page: http://www.israel-solidaritaet.tk
mail: gegenantisemitismus[AT]gmx.net



Relevante Dates:

Do. 15.06.: Vortrag von Andrei Markovits: Amerika, dich hasst sich´s besser - Antiamerikanismus und Antisemitismus
in Europa. 20 Uhr - Café Kurzschlusz [Kleiststr. 5, FH]

Do 15.06.: Vortrag von Stephan Grigat: Israelsolidarität und Kritik der politischen Ökonomie. 20 Uhr - HavannaAcht Marburg.

Sa. 17.06.: Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch: http://antifa.frankfurt.org

Sa. 17.06.: Kundgebung gegen das iranische Regime: 14 Uhr
Opernplatz [mehr: http://www.honestly-concerned.org]

Falls ihr zur Demo anreisen wollt und Schlafplätze benötigt wendet euch bitte per Mail mit Angabe der gewünschten Zahl an gegenantisemitismus[AT]gmx.net

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English Version:

Solidarity with Israel!
Withdraw the Right of Existence from Germany!

Iranian president Mahmoud Ahmadinejad denies the Holocaust and calls for the destruction of Israel. Meanwhile, Nazis are planning a demonstration on the occasion of the Iran – Portugal soccer match on June 17th. The motto: „President Ahmadinejad – Welcomed by Friends“ We want to disturb the unspeakable actions of this anti-Semitic alliance and invite you to a demonstration against anti-Semitism of all colours and against the German reality.

In the aftermath of the revolution of 1979, Iran was remodeled into an autocratic theocracy that cuts women’s rights and persecutes the opposition. Within the Muslim world the Mullahs of Iran stress their leading role in spreading anti-Semitism and a global call for arms against Israel. A European debate on the condition of Iran has only started as a consequence of a possible
nuclear threat that Iran is posing to Europe, as well as the ongoing denial of the Holocaust by Ahmadinejad. Although a visit to Germany by Ahmadinejad during the World Cup has not been confirmed German’s Minister of the Interior,Wolfgang Schäuble, promised to be a „good host“ – that’s the way Holocaust-deniers are welcomed in this country. This preemptive hospitality cannot be explained without regard to the close economic ties of the two countries – Germany is Iran’s biggest trade partner. For example: a German firm sponsors the Iranian vice squad.

In the 1940s, ideological similarities already led to a practical cooperation of National Socialists and Islamic fundamentalists. The Freie Nationalisten Rhein/Main (a regional hardcore nazi- group from the river Rhine/river Main region) stand in this tradition by solidarizing with the regime in Iran. Nonetheless, they do not forget to agitate in a racist way against „massive immigration and the corrosion of the German people (Volk)“. Islamic fundamentalists are welcomed as strategic partners in a fight of völkische collectives against an imagined world-wide jewish conspiracy. Following the anti-Semitic delusion, Nazis suspect the „Kulturfeind“ not only in Israel but behind every „malice“ of modernity; of course also in Frankfurt that they entitle the „city of stock exchange and the city of high street banks, the Jerusalem on the river Main“.

Behind the German curtain of complaints about savage anti-Semitism voiced by Nazis and Islamic fundamentalists lies a broad anti-Semitic consensus.Following a study of 2005 68% of the German population are annoyed with „being charged with German crimes against Jews“. And just as many think that „Israel is waging a war of extermination against the Palestinian people“. Since 1989 postwar- Germans see themselves as world champions in dealing with history, claiming a morally superior position that allows them to demonize Israel as today’s perpetrator.

In trying to secure the everyday lives of Jews on a political and military level Israel must have our full support and solidarity. Instead of denying or paternalistically granting Israel the right to exist – as many Germans do – we consciously turn against Germany, the country of perpetrators. Due to it’s grave and outrageous crimes we decline to accept Germany’s right to exist.


Demonstration: Friday, June 16th 2006, 6:00 pm at the Merianplatz (via subway U4)

The June 16 Alliance [AK Antifa Mainz, Alliance against Anti-Semitism Rhein/Main, Comité Liberté Gießen, FDJ Frankfurt, sinistra! Frankfurt, Association of anti-German Communists Heidelberg]

Supporters:
A2K2[west. Ruhrgebiet], [aae] Marburg, Antifaschistischer Aufstand Köpenick (AAK) Berlin, Antifaschistische Gruppe Oranienburg [A.G.O.], Antinationale Gruppe Bremen [ANG], Antifa Saar / Projekt AK, CCP - Charlie Churchills Papagei, mila 26 Erfurt, Negative Assoziation Hamburg, ZK der Proseccosozialisten Stuttgart
[to be continued]

homepage: http://www.israel-solidaritaet.tk ///
e-mail: gegenantisemitismus[AT]gmx.net

Thu, June 15th: Lecture by Andrei Markovits about Anti-Americanism and anti-Semitism in Europe. 8:00 pm - Café Kurzschlusz [Kleiststr. 5, UAS Frankfurt]

Thu, June 15th: Lecture by Stephan Grigat: Israelsolidarity and critics of political economy. 20 Uhr - HavannaAcht Marburg.

Sat, June 17th: Infos and updates on the Nazi demonstration:
http://antifa.frankfurt.org

Manifestation against the Iranian regime: 2:00 pm Opernplatz [see: http://www.honestly-concerned.org]

If you'd like to join the demonstration and need a place to sleep in Frankfurt please send a mail to gegenantisemitismus[AT]gmx.net

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